Wenn Menschen verletzen

Die Auseinandersetzung mit den Kriegen des 20. Jahrhunderts sowie dem Holocaust hat Skulpturen und Bilder zum Hinsehen und Nachdenken entstehen lassen.

Die existenziellen Themen „Krieg“ und „Holocaust“ werden durch Bilder, Skulpturen und Installationen verarbeitet, die unter dem Titel „Verletzte Seelen“ zusammengefasst sind. Diese Arbeiten verlangen vom Betrachter ein längeres, verweilendes Hinschauen und regen zum Nachdenken an.
Das Projekt „Verletzte Seelen“ weist auf die Verletzungen hin, die Menschen anderen Menschen, der Natur, ihrer Kultur und den folgenden Generationen zufügen. Dazu zählen insbesondere auch die seelischen Verletzungen, die Soldaten davontragen, selbst wenn sie den Krieg körperlich unversehrt überlebt haben.

Krieg

Auslöser dieser Thematik war die Auseinandersetzung mit der Geschichte des ersten Weltkrieges als die Urkatastrophe des 20. Jahrhunders. Die Eindrücke, die die Besuche der ehemaligen Schlachtfelder um Verdun hinterlassen haben, wurden in Bildern, Skulpturen und Installationen umgesetzt. Besonders beeindruckend wirken die in die Werke eingearbeiteten originalen Fundstücke von den Schlachtfeldern.
Ab 2014 entstehen die Skulpturen „Gesichter des Krieges“. Auch diese Skulpturen entstanden teilweise aus Fundstücken (Beilen) von den Schlachtfeldern um Verdun. Nach 100 Jahren hat die Zeit die Werkzeuge der Soldaten so verändert, dass sich durch weiteres Bearbeiten die Beilschneiden zu den  „Gesichter des Krieges“ verwandeln.
In der Weiterbearbeitung des Themas werden dann auch die nachfolgenden Kriege des 20. Jahrhunderts verarbeitet. Die Reihe endet mit Werken zum Balkankrieg, der mit einer Grausamkeit geführt wurde, die man in Europa für längst ausgestorben hielt.

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Die Skulpturen als Namensgeber

Die Skulpturen sind die Namensgeber der „Verletzten Seelen“. Sie bestehen aus Holz, welches mit Leinöl, Firnis Erdfarbe, Ruß und Asche bearbeitet wurde. Das Holz steht dabei für den menschlichen Körper, die verwendete Bleifolie für die Uniformierung und den damit verbundenen Schutz und die gleichzeitige Anonymität des einzelnen Menschen. Das in die Risse eingearbeitete Wachs symbolisiert die verletzte Seele.
Die Skulpturen sind auch das Bindeglied zwischen den beiden Themen „Krieg“ und „Holocaust“.

 

 

 

Holocaust

Der „Holocaust“ kann als Zyklus auch für sich alleine stehen. Die Grausamkeit der Zeit des Nationalsozialismus wird in den „Kastenbildern – Auschwitz, Geschwister Scholl und Bücherverbrennung“ und dem Porträt der Anne Frank besonders deutlich.

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Für die Arbeiten der „verletzten Seelen“ gilt mehr denn je der Grundsatz,
den er sich für seine Werke selbst gegeben hat:

„Wenn das Bild den Maler nicht mehr braucht,
beginnt die Aufgabe des Betrachters.“

B. Gerstner

Bernd Gerstner geht sehr subtil an die ungeheure Thematik des Krieges heran. Um das Zitat von Martin Walser „Die Wirklichkeit ist oft zum Wegsehen, die Kunst aber immer zum Hinsehen“ umzusetzen, gestaltet Gerstner seine Arbeiten, bzw. die Ausstellung bewusst nicht grausam, sondern kontemplativ. Die oft beklemmenden Darstellungen sollen auf keinen Fall anwidern oder abschrecken, sondern der Betrachter soll sich mit den vielredenden Symbolen des Krieges, den Folgen und den immer wiederkehrenden Abscheulichkeiten und Absurditäten der Kriegshandlungen auseinandersetzen. […]

Gerstner ästhetisiert nur das Problem des immer wiederkehrenden Wahnsinns, aber er zeigt keine Lösung. Gerstners Arbeiten sind modern und bedürfen der Erklärung. Aber es ist an Ihnen, […] durch Ihre Interpretationen, Gedanken und Emotionen die Werke zur Geltung kommen zu lassen.

Ausschnitt aus der Rede von Dr. Kurtzer, Kunsthistoriker